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Kleiderschrank ausmisten – jetzt aber richtig!

25 Februar 2021


„Der Kleiderschrank ist ein Möbelstück, in dem Frauen, die nichts zum Anziehen haben,
ihre Kleidung aufbewahren.“

Na, erkennen Sie sich in diesem Spruch vielleicht ein kleines bisschen wieder? Haben Sie auch einen übervollen Schrank, aber oft trotzdem nichts anzuziehen? Oder hat Ihr Kleiderschrank einfach mal wieder eine ordentliche Generalüberholung nötig? Mit den Tipps in diesem Artikel misten Sie Ihren Kleiderschrank jetzt einfach und effizient aus und räumen ihn anschließend mit Köpfchen neu ein, so dass er danach gut strukturiert und übersichtlich ist und Sie jederzeit all Ihre Kleidung im Blick haben. So finden Sie in Zukunft ruckzuck das passende Outfit. Das spart jeden Tag Zeit und Nerven. Damit das Öffnen Ihres Schranks Ihnen zukünftig ein Lächeln ins Gesicht zaubern wird, statt schlechte Laune zu verursachen. Als Ordnungscoach durfte ich schon sehr vielen Menschen beim Ausmisten und Einräumen ihres Kleiderschranks helfen. Hier möchte ich mit Ihnen meine vielfach bewährte Vorgehensweise teilen. Sie lässt sich grob in 4 Schritte unterteilen.


Schritt 1: Vorbereitung und richtige Einstellung

Planen Sie fest einige Stunden Zeit ein, in der Sie ungestört sind. Ziehen Sie etwas Bequemes an, damit Sie zwischendurch unkompliziert etwas anprobieren können. Stellen Sie außerdem Putzutensilien bereit (zum Saugen/Auswischen der Fächer und Schubladen). Bereiten Sie 5 Aussortier-Boxen oder Körbe vor und beschriften Sie sie (z.B. mit Maler-Krepp) folgendermaßen:

1. Entsorgen
2. Verschenken/Spenden
3. Verkaufen
4. Reparieren/Ändern
5. «Weiß nicht»

Bevor Sie mit dem Aussortieren loslegen, geht es zunächst um die richtige innere Einstellung (klingt komisch, wirkt aber Wunder!). Werden Sie sich bewusst, warum Sie Ihren Schrank aufräumen wollen und was das Ziel der Aktion ist. Stellen Sie sich dafür bildlich vor, wie Ihr Schrank am Ende aussehen soll. Ihre Ziele könnten sein:

  • Endlich ein aufgeräumter Schrank, der nur Lieblingsteile enthält, keinen Ballast
  • Endlich Ordnung, Klarheit und gute Übersicht über all meine Kleidung
  • Keine Schrankleichen und Fehlkäufe mehr
  • All meine Kleidung passt mir und nichts ist kaputt
  • Einfacheres Zusammenstellen von Outfits möglich
  • Kein mühsames Suchen mehr und keine versehentlichen Doppelkäuf
  • Meine Kleidung passt gut zu mir als Typ, zu meinem Stil* und zu meinem Leben («That’s me!»)

*Wenn Sie nicht sicher sind, was Ihr Stil ist, dann überlegen Sie zunächst, was Ihnen gut gefällt/was Sie gerne tragen/worin Sie sich wohl und authentisch fühlen/welche Schnitte und Farben Ihnen gefallen. Sie können sich im Vorfeld auch ein Moodboard mit gesammelten Ideen machen oder eine Pinnwand auf Pinterest dazu erstellen.

Suchen Sie sich nun als erstes ein «Referenz-Kleidungsstück» aus Ihrem Schrank aus: Das sollte ein Kleidungsstück sein, was Sie sehr mögen und was Sie gerne und häufig tragen (Um es mit den Worten von Marie Kondo zu beschreiben: «Does it spark joy?»). Dieses Teil wird Ihnen gleich beim Aussortieren immer wieder gefühlsmäßig als «Kompass» dienen. Behalten Sie es also in Reichweite, wo sie es gut sehen können.

 
Schritt 2: Ausmisten – aber richtig!

Alles muss raus!

Wichtig: Räumen Sie ALLES (inkl. Schuhe, Taschen und Accessoires) aus dem Schrank heraus auf einen großen Haufen, am besten auf dem Bett. Sortieren Sie dabei schon etwas vor, also Hosen zu Hosen, T-Shirts zu T-Shirts… Vergessen Sie auch die «Nebenschauplätze» nicht: Garderobe, Hocker im Bad, Wäschekorb, Keller…
Ganz schön viel Zeug, oder?

Reinigen Sie nun gründlich die leeren Schrankfächer und Schubladen.
Nehmen Sie jetzt nacheinander jedes Teil in die Hand. Dabei gehen Sie am besten nach Kategorien vor (Pullis, Hosen, T-Shirts, Tops usw.).

Trennen Sie sich rigoros von Schrankleichen, Fehlkäufen und allen Teilen, die Ihnen nicht (mehr) passen, die stark abgetragen oder kaputt sind oder die bei Ihnen (aus welchen Gründen auch immer) ein schlechtes/unfrohes Gefühl auslösen!

Wichtig: Es gibt nichts, was Sie zwingend behalten müssen. Loslassen befreit und schafft Raum für Weiterentwicklung. Kleidung hat keine Gefühle, d. h. Sie dürfen beim Aussortieren ruhig «gewissenlos» sein und ganz auf Ihre Bedürfnisse hören.

Verteilen Sie die aussortierten Sachen auf die 5 Körbe, die sie anfangs bereitgestellt haben. Legen Sie die Sachen, die sie behalten möchten, erst einmal beiseite. Darum kümmern wir uns, wenn alles fertig aussortiert ist.

Hören Sie beim Entscheiden auf Ihre Intuition und lassen Sie Ihren Bauch ganz spontan entscheiden. Seien Sie ehrlich zu sich selbst: Spüren Sie das gleiche gute Gefühl wie bei Ihrem Referenz-Kleidungsstück aus Schritt 1? Wenn ja, darf das Kleidungsstück natürlich weiterhin Teil Ihrer Garderobe bleiben.

Haben Sie Zweifel oder müssen Sie sich vor sich selbst rechtfertigen, warum Sie das Teil behalten sollten, obwohl es Ihnen eigentlich keine Freude (mehr) macht? Dann unbedingt weg damit (in den passenden Aussortier-Korb)!

Bedanken Sie sich bei den Dingen, von denen Sie sich trennen, für ihre Dienste. Damit praktizieren Sie Wertschätzung und so können Sie die Sachen Dinge leichter loslassen (klingt zunächst etwas schräg, funktioniert aber wirklich).

 

 

Bleibt oder geht? Wichtige Fragen für die Entscheidungsfindung

Ihr Bauch sendet Ihnen unklare Signale und Sie können sich nicht entscheiden? Dann beantworten Sie ehrlich die folgenden Fragen (evtl. reicht auch schon die allererste Frage aus):

  • Würde ich mir dieses Kleidungsstück noch einmal kaufen?
  • Wann habe ich dieses Teil zuletzt getragen?
  • Würde es mich traurig machen, wenn ich es verlieren würde?
  • Passt es mir (noch)? Fühle ich mich darin wohl? Was Ihnen nicht (mehr) passt oder unbequem ist - egal ob zu groß oder zu klein - verstopft unnötig Ihren Schrank und vermiest Ihnen schlimmstenfalls sogar die Laune. Passen Sie Ihre Garderobe Ihrem Körper an und nicht umgekehrt!

  • Hatte ich bis gerade eben vergessen, dass ich das besitze?
  • Mag ich das Material, den Schnitt, die Farbe und die Qualität?
  • Reflektiert dieses Kleidungsstück meinen aktuellen Stil?

    • Habe ich es nur aus Prestigegründen gekauft oder weil «man» so etwas einfach im Schrank haben «muss»? 
    • Tut es mir gut, das zu besitzen? Möchte ich es in meine Zukunft mitnehmen?
    • Will ich es nur deshalb behalten, weil es mal teuer war? Merke: Man verliert Geld, wenn man etwas kauft, nicht wenn man etwas aussortiert! Das Geld ist also längst weg. Schließen Sie Frieden mit dem Fehlkauf, lassen Sie das Teil gehen und lernen Sie daraus für das nächste Mal.

Kleiner Denkanstoß: Wieso gibt es viele Teile, die wir zwar nie anziehen, die wir aber trotzdem nicht loslassen wollen? Vielleicht, weil wir uns mit ihnen auch von einer bestimmten Version von uns selbst verabschieden müssen - einer schlankeren, verrückteren, verführerischeren ...? Wie befreiend wäre es, dies alles hinter sich zu lassen und sich einfach auf diesen Körper, diese Lebensumstände und das Hier und Jetzt zu konzentrieren?

Wenn Sie bei einem Kleidungsstück trotzdem noch sehr unsicher sind (und nur dann), legen Sie es in die mit «Weiß nicht» beschriftete Box.

Alles, was in in der «Weiß nicht» -Box gelandet ist: Nachdem Sie den ganzen Rest fertig aussortiert haben, nehmen Sie sich diese Box nochmals vor. «Norden» Sie sich für die Entscheidung zuerst mit Ihrem Referenzkleidungsstück gefühlsmässig ein, stellen Sie sich nochmals die obigen Fragen und hören Sie gut auf Ihr Bauchgefühl. Versuche Sie sich innerhalb von max. 10 s zu entscheiden. Falls Sie noch immer zu keinem eindeutigen Ergebnis kommen, dann müssen dieses Sachen eine «Bewährungsprobe» im Praxistest bestehen: Legen Sie sich für die nächsten Tage nacheinander alle «Weiß nicht» Kleidungsstücke zum Anziehen heraus und ziehen Sie konsequent jedes Teil einmal morgens an und entscheiden Sie dann jeweils abends endgültig, ob Sie es behalten oder ob Sie sich davon trennen wollen. Nach einem Tag des Tragens weiss man meist ziemlich genau, ob einem ein Kleidungsstück Freude macht oder nicht.

Von Stücken mit emotionalem Wert,
welche sie aber nicht (mehr) tragen, können Sie ein schönes Foto machen, und das Teil dann mit gutem Gefühl entsorgen. Alternativ können Sie solche Stücke auch gut verpacken und dann irgendwohin auslagern, wo sie Ihnen im Alltag keinen wertvollen Platz wegnehmen.

Was tun mit den aussortierten Sachen?
Schaffen Sie alles, was Sie aussortiert haben, so schnell wie möglich aus dem Haus und  führen Sie die Sachen ihrer geplanten Bestimmung zu. Am besten stellen  Sie alle Boxen an die Haustür oder direkt ins Auto. Denn erst wenn das  erledigt ist, ist der Ballast (auch gedanklich) wirklich weg. Kleidungsstücke, die Sie in die Box «Reparieren/Ändern» gelegt haben:  Setzen Sie sich eine Frist mit Erinnerung in den Kalender, bis wann sie  dies spätestens erledigt haben wollen. Wenn Sie es bis dann nicht  geschafft haben, wird wahrscheinlich auch nichts mehr daraus bzw. es war  Ihnen nicht wichtig genug. Dann sollten Sie sich von den Sachen  endgültig trennen.

Ein ehrliches Wort zum Verkaufen: Wenn man die vielen aussortierten Kleidungsstücke vor sich sieht, dann sieht man schnell auch das ganze Geld vor sich, was man dafür «verschwendet» hat, und wünscht sich, den Verlust zu minimieren, indem man die Sachen noch irgendwo verkauft. Sachen zu verkaufen kann jedoch oft zäh und sehr zeitaufwendig sein und lohnt sich deshalb bei den wenigsten Kleidungsstücken (eigentlich nur bei wirklich hochpreisiger Markenkleidung). Ob Ihnen der Erlös (der oft viel geringer ist, als man zuerst annimmt) die Zeit und Mühen wert ist, müssen Sie natürlich selbst entscheiden. Ich gebe nur zu bedenken, dass Ihre Zeit wertvoll ist und dass das Spenden (z.B. an ein Sozialkaufhaus) oder Verschenken (an Freunde oder Verwandte) der Sachen an Menschen, die wirklich einen Nutzen und Freude daran haben oft die bessere Lösung ist. Falls Sie sich für das Verkaufen entscheiden, würde ich zuerst bei den entsprechenden Verkaufsportalen wie Ebay, Kleiderkreisel oder Second Hand Shops den ungefähren Wert ermitteln, den Sie für Ihre Sachen bekommen (indem Sie schauen, zu welchem Preis ähnliche Teile verkauft werden). Setzen Sie Ihre Preise nicht zu hoch an, damit Sie die Sachen bald loswerden.

 
Schritt 3: Mit System neu einräumen

Jetzt kümmern wir uns um die Kleidung, die Sie behalten möchten und räumen sie neu ein

Überlegen Sie sich zunächst, nach welchem System Sie den Schrank neu einräumen möchten (z.B. nach Farben sortiert, nach Art, nach Anlass…). Bilden Sie je nach persönlicher Vorliebe z.B. solche Untergruppen

  • Business – Freizeit – Gala – Sport
  • T-Shirts / Pullover / Hosen / Jeans / Kleider / Röcke / Unterwäsche / Socken
  • Sommer - Winter

Besorgen Sie sich leichte Ordnungs-Boxen aus Stoff. Diese sorgen für Struktur und Ordnung in Schubladen und Schrankfächern. Alles bleibt übersichtlich und ist leicht zu erreichen (auch das, was ganz hinten liegt bei tiefen Schränken, denn man kann die Boxen einfach herausziehen).

 

T-Shirts, Tops, Unterwäsche, Sportsachen, Homewear und alles andere, was nicht stark knittert, sollten Sie nach der Methode von Marie Kondo falten. Dazu gibt es viele gute Anleitungen auf YouTube. Die gefalteten «Päckchen» sortieren Sie dann stehend nebeneinander und farblich sortiert in die Schubladen und Ordnungshelfer ein. Der große Vorteil hierbei: Man sieht alles auf einen Blick, weil nichts in einem Stapel verschwinden kann und man kann die Sachen leicht herausnehmen und wieder einräumen (statt dabei immer einen ganzen Stapel durcheinanderzubringen).

Das Falten der Kleidung kann sogar richtig Spaß machen und fast «meditativ» wirken. Und selbst wenn es nicht zu Ihrem neuen Hobby wird: Nach kurzer Übung geht das Falten ganz genauso schnell wie bei der «Stapel-Methode».

Alles was knitterempfindlich ist (Blusen, Röcke, Kleider etc.) sollten Sie farblich sortiert auf Bügeln an eine Kleiderstange hängen. Investieren Sie in gute, einheitliche Kleiderbügel und benutzen Sie nur ein bis zwei Bügelmodelle für den gesamten Schrank. Die Wirkung einheitlicher Kleiderbügel ist verblüffend. Der Schrank wirkt sofort harmonisch und beruhigt, wie in einer Boutique. Außerdem «verschwindet» nichts mehr zwischendrin und wird übersehen, was bei unterschiedlich breiten Kleiderbügeln oft passiert.

Stoff-Hosen, Overalls und Röcke hängen Sie am besten an Clip-Bügel. Um Abdrücke im Stoff zu vermeiden, können Sie die Klipp-Bügel z.B. mit Wattepads polstern.

Kleiderhüllen für sehr selten getragene Kleidung sollten ein Sichtfenster und einen Reißverschluss haben und atmungsaktiv sein.

 

 
Schritt 4: Dauerhaft Ordnung halten

Natürlich ist es mit 1x Ausmisten nicht für immer und ewig getan, sondern Sie werden Ihren Schrank in Zukunft immer mal wieder unter die Lupe nehmen müssen, denn Größe, Geschmack und praktische Anforderungen an unsere Kleidung ändern sich mit der Zeit. Die beste Gelegenheit dazu ist der Saisonwechsel, also im Frühling und im Herbst.

Es gibt 3 einfache Regeln, an die Sie sich halten sollten, damit Ihr Kleiderschrank dauerhaft so schön ordentlich bleibt und die Menge der Kleidung nicht wieder überhandnimmt:

  1. Legen/hängen Sie Sachen nach dem Waschen immer sofort an ihren Platz zurück. Das erfordert am Anfang etwas Disziplin, wird aber schnell zur Gewohnheit. Auch das Falten wird Ihnen nach kurzer Zeit in Fleisch und Blut übergehen und mühelos gelingen, versprochen
  2. «One in -> One out»: Sortieren Sie konsequent für jedes neu hinzukommende Kleidungsstück ein Altes aus.
  3. Kaufen Sie bewusst ein: Überlegen Sie bei jedem Kauf genau (und nehmen Sie sich genügend Zeit dafür!), ob das Kleidungsstück ein Lieblingsstück werden könnte, ob Ihnen wirklich ALLES daran gefällt (Farbe, Schnitt, Material, Verarbeitung...), ob Sie genügend passende Kleidungsstücke zum Kombinieren im Schrank haben und ob Sie vielleicht schon so ein ähnliches Teil besitzen.
 
 

Dagmar Schäfer / Ordnungscoach
Ordnung im Schrank - Klarheit im Kopf.
Sie wurde in Süddeutschland geboren, studierte in München und lebt inzwischen seit vielen Jahren in Zürich, wo sie als zertifizierte Ordnungsberaterin arbeitet.
Sie berät leidenschaftlich gerne Menschen mit viel Zeug und wenig Zeit, die sich ein schöneres Zuhause, nachhaltige Ordnung, weniger Ballast und einen einfacheren Alltag wünschen. An ihrer Seite lernen ihre Klientinnen, wie sie Schritt für Schritt überflüssigen Ballast loslassen und ihr Zuhause an ihre individuellen Bedürfnisse angepasst neu organisieren und strukturieren - für ein wunderbares Gefühl der Klarheit und Leichtigkeit. Sie hilft Ihren Klientinnen dabei, ihre Kleiderschränke und Wohnbereiche dauerhaft zu transformieren, so dass sie Tag für Tag echte Freude daran haben und mehr Zeit übrig bleibt für die Dinge, die ihnen wichtig sind. Ihre Überzeugung ist, dass es einen direkten Zusammenhang gibt zwischen der Ordnung im Außen und in unserem Inneren. Wenn wir in unserer privaten Umgebung Ordnung und klare Strukturen schaffen, mit denen wir uns rundum wohlfühlen, dann führt dies als wunderbarer Nebeneffekt immer auch zu mehr innerer Ordnung und Klarheit.