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Ein Interview mit der Kaffeerösterei Leiwes

01 Oktober 2020

„Der perfekte Kaffeemoment“ wurde bereits unzählige Male in der Werbung dargestellt und immer läuft es ähnlich ab: Wir sehen ein gemütliches Ambiente in einem Café oder auf dem heimischen Sofa, die perfekte Crema, einen genussvollen Moment in völliger Ruhe und Entspannung, unterlegt mit leiser Musik. Im wirklichen Leben trinken wir unseren Morgenkaffee meist etwas anders – am trubeligen Frühstückstisch, To Go auf dem Weg zur Arbeit oder ganz nebenbei am Schreibtisch, wenn die Müdigkeit unverhofft zuschlägt. Dabei lassen sich auch im Alltag kleine Genussmomente einbauen, wenn man sich bewusst Zeit dafür nimmt.

Neben der nötigen Ruhe gehört vor allem eins zum perfekten Kaffeemoment: der Kaffee!

Um zu erfahren, was hinter einem richtig guten Kaffee steckt, haben wir uns an echte Profis gewandt: Die Kaffeerösterei Leiwes in Rheda Wiedenbrück wird als Familienbetrieb bereits in dritter Generation geführt und zeichnet sich durch ihre langjährige Erfahrung und einen hohen Nachhaltigkeitsanspruch aus. 1949 investierten die Gründer Anna und Heinrich Leiwes in eine Röstmaschine, die noch heute im Einsatz ist und damit seit über 70 Jahren für wunderbare Aromen sorgt. Heute wird der Betrieb von Heike und Hubert Leiwes geführt – immer unter Berücksichtigung des althergebrachten Familienrezepts: der Qualität!

Frau Leiwes, was hat den größten Einfluss auf den Geschmack des Kaffees? Die Bohnen, die Röstung oder die Zubereitung?

Heike Leiwes: Auf das richtige Zusammenspiel kommt es an! Wenn Sie eine milde Bohne aus Kolumbien lange rösten, ist das feine Aroma dahin. Die Sorte aus Sumatra dagegen verträgt eine längere Röstzeit. Damit betonen wir den würzigen Charakter dieser kräftigen Sorte. Und so wird dann auch ihr Espresso zu einem Genuss – wie in einer Kaffeebar in Sizilien.

Das heißt, mit den Bohnen fängt alles an. Wie entscheiden Sie, welche Sorten es in Ihr Sortiment schaffen?

Heike Leiwes: Unser Sortiment soll ja viele Kundenwünsche erfüllen – und die gehen weit auseinander: Deshalb haben wir Sorten, die nussig oder schokoladig schmecken, fruchtig oder würzig. Wir haben schon ein Dutzend verschiedene Spezialitäten, aber erstaunlicherweise werden es ständig mehr: Da bietet uns ein Importeur eine verlockende Varietät an oder ein Kunde äußert einen Wunsch…

Gibt es trotz der großen Vielfalt auch einen klassischen „crowdpleaser“ bei Ihnen?

Heike Leiwes: Unsere Hausmarke ist tatsächlich schon seit vielen Jahren unser Bestseller, da er geschmacklich genau die Mitte trifft und deshalb bei Vielen gut ankommt.

Sie unternehmen regelmäßig Reisen in die Anbaugebiete, aus denen Sie Ihre Bohnen beziehen. Wie verändern Ihre Erfahrungen auf den Kaffeeplantagen in Kenia oder Brasilien die Sicht auf das Produkt selbst?

Heike Leiwes: Es ist natürlich unglaublich spannend, selber zu erleben, was man bisher nur aus Büchern und Filmen kannte. Es weitet den eigenen Horizont, wenn man eigenhändig an einem steilen Hang Kaffeekirschen geerntet hat und sieht, wieviel geschickter die Pflücker da zu Werke gehen. Gleichzeitig steigt die Wertschätzung für ein Produkt, das mit so viel Aufwand erzeugt wird und an dem so viele mitarbeiten. Da erkennt man sehr deutlich, dass diese hart arbeitenden Menschen fair bezahlt werden müssen.

 

 

Ihre Sensibilität für Fair Trade und auf das Thema Nachhaltigkeit bezogen spiegelt sich auch in Ihrem Verpackungsdesign wider. Wie wird das von den Kunden angenommen?

Heike Leiwes: Bis auf unsere Traditionsmarke „Gourmet“ füllen wir alle Sorten in Papiertüten ab. Diese Entscheidung wird sehr gut angenommen. In unserem Laden ist es auch möglich, Tüten wieder befüllen zu lassen. Darüber freuen sich die Kunden richtig. Sie wollen mit ihrer Kaufentscheidung auch etwas für den Umweltschutz tun. Vielen ist es darum wichtig, Bohnen aus fairem oder Bio-Anbau zu erwerben. Kaffee mit einem Mehr-Wert sozusagen! 

Dieses Verantwortungsbewusstsein bringt sicher auch große Herausforderung mit sich…

Heike Leiwes: Auf jeden Fall. Wir möchten natürlich mit unserem Geschäft am Markt Bestand haben. Gleichzeitig wollen wir unsere Werte vertreten. Das heißt: Wir bieten keinen billigen Kaffee an, sondern ermitteln einen fairen Preis. Und dafür möchten wir auch das Bewusstsein unserer Kunden weiter öffnen.

Großartig, dass Sie hier als Unternehmen mit gutem Beispiel voran gehen! Die aktuelle Entwicklung zeigt ja, dass immer mehr Menschen Wert auf das Thema Nachhaltigkeit legen. Sei es bei der Kleidung, beim Essen, der Einrichtung oder eben beim Kaffee! Apropos Trends: Es tauchen immer mal wieder neue Kaffee-Trends auf, die absolut „in“ sind und die Menschen in ihren Bann ziehen – unsinnig oder originell?

Heike Leiwes: Ach, da ist von allem etwas dabei. Kopi Luwak zum Beispiel, bei dem die Bohnen durch den Katzenmagen wandern, halte ich für unsinnige Tierquälerei. Aber der kalt zubereitete coldbrew belebt den Markt mit etwas Neuem. Und manchmal wendet sich ein Trend auch rückwärts, zum Beispiel kehren Kaffeenerds dem Vollautomaten den Rücken und greifen wieder zum guten alten Kaffeefilter.

Sie sind im Leiwes-Unternehmen groß geworden. Was bedeutet Kaffee für Sie? Ist das nur noch Arbeit oder gönnen Sie sich auch selbst regelmäßig die „kleine Belohnung im Alltag“?

Heike Leiwes: Mein Mann hält mich für einen idealen Werbeträger, weil ich wirklich gern Kaffee trinke. Ist eine Aufgabe erfolgreich erledigt, darf es zur Belohnung eine schöne Tasse Kaffee sein.

Auf welche Sorte fällt dann meistens die Wahl?

Heike Leiwes: Ich bevorzuge mittelkräftigen Kaffee: den Äthiopien mit beerigen Anklängen und den nussigen Guatemala. Mein Mann dagegen liebt die kräftigen Sorten wie unseren Sumatra. Damit liegen wir voll im Trend: Männer bevorzugen meistens kräftigere Sorten.

Und was darf als Ergänzung zu einer Tasse Kaffee nicht fehlen?

Heike Leiwes: Ein schöner Kaffee kann durchaus für sich alleinstehen. Aber ich liebe Süßes, ein kleines Plätzchen darf es dazu schon sein…

Da sprechen Sie wohl den meisten Menschen aus der Seele! Wenn Sie doch wählen müssten, worauf könnten Sie eher verzichten: Kaffee oder Kuchen?

Heike Leiwes: Das ist eigentlich leicht… Kaffee genieße ich wirklich jeden Tag. Das sollte mit Kuchen lieber nicht zur Gewohnheit werden. Auch wenn die Kombination von beidem schon sehr reizvoll ist.